Tarvis
Tarvis ist eine Stadt mit mehr als 5000 Einwohnern. Sie ist der Hauptort einer Gemeinde, deren Oberfläche 205,52 Quadratkilometer beträgt. Sie befindet sich in der Provinz Udine und schließt die folgenden Fraktionen ein: Saifnitz, Raibl, Goggau, Colazzo, Fusine in Val Romana, Fusine Laghi, Luschariberg, Kl. und Gr. Greuth, Sant’Antonio.
Tarvis hat an internationaler Rolle im 20. Jahrhundert gewonnen, zuerst wegen seiner Lage an der Grenze unter Italien, Österreich und Slowenien (ehemaligem Yugoslavien), dann wegen seiner landschaftlichen Sehenswürdigkeiten und wegen der starken Entwicklung des Tourismus und der winterlichen und sommerlichen Gebirgssports, die schon im 19. Jahrhundert bekannt waren. Trotzdem begann die Geschichte des ganzen Tals, wo sich diese Gemeinde befindet, bevor die Römer es als Übergangs- und Siedlungsort wählten, das sich eine wichtige Straße entlang ausstreckte. Seit Mittelalter verstärkte sich diese Rolle. Wir haben Urkunden über den Abbau der lokalen Bergwerke, der bis heute fortgesetzt worden ist, über die Anlage der Metallindustrie, über die Anerkennung der Austauschfunktion von Produkten und Markt.
Aus dem kirchlichen Gesichtspunkt war das Gebiet Teil des Patriarchats von Aquileia und aus dem bürgerlichen Gesichtspunkt blieb die Macht in der Hand der Herrschaften Germanischen Raums (Kaiserreich, Bamberger Kirche, Habsburgerhaus) bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, als die Macht an Italien übertragen wurde. Die Rolle als Kreuzung wichtiger Verbindungswege verstärkte sich im 19. Jahrhundert durch den Bau der Eisenbahn Mailand-Venedig-Wien, und auch in Tarvis gab es den Bahnhof.
Tarvis ist für Kunstschrein des Kanaltals dank seiner Pfarrkirche von Heiligen Peter und Paul aus dem 15. Jahrhundert, im kärntnerischen Stil, gehalten, die reich an Fresken des 15. und 16. Jahrhunderts ist; an dem Mauerring lehnten drei römische Grabsteine, die im Gebiet gefunden wurden (eine römische Stele ist außerdem in Saifnitz zu sehen). Wichtig ist die Kirche von Heiligem Nikolaus in Goggau, die auf 1100 zurückgeht, mit Fresken eines österreichischen Künstlers, die zur Schule von Giotto gehörte. Die Szene mit den Drei Königen ist eben preisvoll und wird zu einem anderen Künstler zustimmt.
Außer anderen modernen oder zeitgenossenschaftlichen Kirchen verdient die Wallfahrtskirche von Luschariberg aus dem 14. Jahrhundert eine besondere Erwähnung. Die Kirche wurde im 16. Jahrhundert errichtet und hat einen Turm aus dem 17. Jahrhundert. Das Ganze wurde während des Ersten Weltkrieges zerstört und 1924 wieder aufgebaut. Die Wunderstatue der Muttergottes ist österreichischen Ursprungs im gotischen Stil. Die Zuwanderung von Wallfahrern und Besuchern unterschiedlicher Nationalitäten setzt ununterbrochen seit dem Mittelalter bis heute fort.
Tarvis ist ein echtes Beispiel von Zusammenleben unter verschiedenen Völkern und Sprachen. Die Festigkeit der Stadt ist im Laufe der Zeit nie in Gefahr gewesen; nicht einmal wegen der traurigen und schmerzhaften Ereignisse, die das 20. Jahrhundert eingeprägt haben, der beiden Weltkriege, des Zwangsentnationalisierungsprozesses, der ideologischen Gegensätze des Kalten Krieges. Die lateinische, germanische und slowenische Welten treffen sich nur an diesem Ort, und seit einem Jahrtausend leben sie gemeinsam und verbunden zusammen.
Die Identität des territorialen und verwaltungsmäßigen Zusammenhangs
Unser Gebiet, innerhalb Grenzen, die sich nicht so weit ausstrecken, schließt verschiedene Landschaften und Erfahrungen ein.
In den von Bergen umgebenen Tälern haben die Sprachen der Menschen im Laufe der Zeit um Räume gewetteifert: Einmal verliert die eine Boden zugunsten der anderen, einmal leben sie zusammen.
Der Name Tarvisio kommt aus den Kelten, die den Stier als totemistisches Tier hatten, und hat anderswo ähnliche Namen hinterlassen.
Wenn wir die Vergangenheit beiseite lassen, bemerken wir, dass der Name heute ein bisschen anders in den Sprachen der ansässigen Hauptgruppen (Tarvisio, Tarvis, Trbiž) klingt, die außer der Muttersprache auch die anderen Sprachen kennen und verwenden.
Es handelt sich um Sprachen, die sich auf Völker beziehen, die in einer gemeinsamen, übernationalen, habsburgischen Welt gelebt haben, woran sie sich noch gut erinnern, und vielleicht nistet sie in vielen Herzen.
Heutzutage sind die Grenzen mit den benachbarten Ländern verschwunden, aber unsere Stadt und unser Tal sind immer stolz auf ihre multikulturelle Realität und Mehrsprachigkeit gewesen. Seit langer Zeit spürt man hier den europäischen Geist.
Seit langer Zeit haben die Verwaltung und die Schule gelernt, den Reichtum und die Besonderheiten des Landes zu benutzen, und gemeinsam haben sie gefördert und sind dabei, Gelegenheiten zu Verbindungen und Mitarbeit zu fördern.
Das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gemeinschaft ist mit den Räumen, den Situationen und den Erfahrungen streng verbunden, die man gemeinsam zusammenlebt und teilt. Es ist einfach, anzunehmen, dass sich ein Kind, ein Erwachsener, die keine Kontakte mit ihrer Stadt und ihrem Land haben, für keine echte Bürger halten. Bei uns sind die Kinder den verschiedenen Sprachen über die Kinderkrippe hinaus ausgesetzt, damit sie als Erwachsene in der Lage sind, auf Italienisch, auf Deutsch, auf Slowenisch und auf Friulanisch zu sprechen. Diese Sprachen können sie auch bei unserem Internationalen Büro mit Sitz in der Gemeinde verwenden hören.
Die Verwaltung hat infolge dieser gefestigten Realität beschlossen, die kulturelle und sprachliche Vielfalt zu unterstützen, indem sie ein Büro geöffnet hat, damit sie mit ihren Bürgern und mit den benachbarten Ländern kommunizieren kann.
Die Hauptaufgabe des Schalters ist, jedem Bürger die Möglichkeit zu geben, seine eigene Muttersprache in dem Verwaltungsgebiet zu verwenden.
All diese kulturellen Identitäten halten wir für Erbe unserer Vergangenheit und versuchen, so möglich es auch sein mag, sie aufzubewahren, zu fördern und zu überliefern.