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Sauris/Zahre

Sauris in invernoDie Zahre/de Zahre/Sauris (Seehöhe 1000-1400 m; 400 Einwohner; 3 Fraktionen) befindet sich im oberen Lumieital, an dem nord-westlichen Grenzgebiet der Provinz Udine. In diesem grünen Becken, von Bergen umgeben, siedelten sich einige Familien von Bauern und Züchtern gegen Mitte des 13. Jahrhunderts an, die aus dem heutigen Grenzgebiet zwischen Kärnten und Tirol stammten. Die erste Urkunde geht auf 1280 zurück und die späteren, die auf die ersten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts zurückgehen, bestätigen die Anwesenheit einer Gemeinschaft, die sich in Dörf (Sauris di Sotto) und in Plotsn (Sauris di Sopra) verteilt hat, denen später die Fraktionen von Latais (Lateis), Ame Lataise (La Maina) und Velt dazukamen. Im Laufe der Zeit entwickelten die Bewohner eine Wirtschaft, die auf dem schwierigen Gleichgewicht mit den Gebietsreichtümern beruhte, und sie förderten eine Integration der traditionellen Alpentätigkeiten der Landwirtschaft und der Viezucht mit der Waldausnutzung und, in den letzten Jahrhunderten, mit der männlichen Saisonauswanderung.

Lago di SaurisTrotz der Transportschwierigkeiten, die von der Talmorphologie, dem unbequemen Straßennetz und dem eiskalten Wetter der langen Wintermonate abhängen, haben die Zahrer Beziehungen zu den benachbarten Gemeinschaften Karniens und des Cadore gehalten, mit denen sie ihre Produkte austauschten, deren Sprache sie lernten und deren Bräuche sie beobachteten. Weitere Austauschmöglichkeiten waren die Wallfahrten zur Kirche von Heiligem Oswald, in Dörf, die Gläubige aus verschiedenen Ortschaften Friauls und aus Veneto anreizen konnte, und die Arbeitsmöglichkeiten bei der Waldausnutzung, wodurch Händler, Holzfäller und Säger ins Tal kamen. Einige von diesen siedelten sich hier an, wie die Erwähnung von neulateinischen Nachnamen in den Urkunden vom Anfang des 16. Jahrhunderts beweist.

Festa di S. OsvaldoVon dem Herkunftsgebiet haben die Zahrer trotzdem viele kulturelle Besonderheiten aufbewahrt, unter anderem die Sprache, die an den südbairischen Mundarten gehört. Auf der einen Seite hat sie mehrere Ähnlichkeiten mit den alten deutschen Mundarten beibehalten, auf der anderen hat sie sich entwickelt und hat Elemente der anderen Sprachen aufgenommen und angepasst. Aus diesem Grund interessieren sich italienische und fremde Forscher seit zwei Jahrhunderten für die Zahrar Sprache. Die sprachlichen Forschungen haben außerdem dazu beigetragen, die spärlichen historischen Quellen, dank den entdeckten Ähnlichkeiten mit den kärntnerischen und tirolischen Mundarten, die an derselben sprachlichen Gruppe gehören, zu integrieren, um den Ursprung der Gemeinschaft aufzuklären.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts stand nur eine mündliche Tradition der Zahrar Sprache zur Verfügung. Gegen 1850 verfasste der Pfarrer, Msgr. Giorgio Plozzer, eine deutsche Übersetzung des lateinischen Katechismus für die einheimischen Kinder, die ausschließlich die Zahrar Sprache verwendeten. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts und im folgenden Jahrhundert haben andere Autoren Lyriken in der Zahrar Sprache geschrieben, und die Zahre kann heute auf eine erhebliche Zahl von dichterischen Werken für eine so kleine Gemeinschaft stolz sein. Dazu kann man auch das reiche Erbe von Gebeten und „Sterngesängen“ (Sternliedlan) erwähnen, einige von denen auf das 16. Jahrhundert zurückgehen und noch heute zu Weihnachtsfeiern gesungen werden. Seit mehr als 30 Jahren wird das Pfarrblatt „De Zahre reidet“ (Die Zahre spricht/redet) herausgegeben, wo oft Artikel in der Zahrar Sprache veröffentlicht werden.

Auf Grund von neu gesammelten Daten wird die Zahrar Sprache von 70% der Einwohner gesprochen, die sie in der Familie, aber auch in den öffentlichen Räumen und an der Arbeit verwenden. Die meisten Toponymen werden in der Zahrar Sprache verwendet, und die Gemeindeverwaltung hat einige Projekte in Vorbereitung für ihre Beibehaltung und Aufwertung.

1990 wurden die Sprache und die Kultur von der Zahre in die Grundschule als fakultative Unterrichte eingeführt. Im Schuljahrgang 1996/97 ist der Unterricht für die Schüler der Grundschule und des Kindergartens zum Pflichtfach geworden. In den letzten Jahren hat sich die Stundenzahl trotzdem stark verringert.

Costumi tipiciAußer der Sprache haben sich die Bräuche des Herkunftsortes auch in anderen Bereichen der materiellen und symbolischen Kultur beibehalten, die zum Beispiel die architektonischen Typologien, die Vorbereitung und die Haltbarmachung der Speisen, die Feldarbeiten, die Verehrung von Heiligem Oswald, die in den deutsprachigen Ländern besonders verbreitet ist, und die Ritualien zu Weihnachten und zu Karneval betreffen.

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Gemeinde und die verschiedenen Vereine (der Chor „Zahre“, der Zahrar Kulturverein „Fulgenzio Schneider“ und der Verein für den Tourismus „Pro Sauris“) dafür eingesetzt, die kulturellen und sprachlichen Besonderheiten des Tals am Leben zu erhalten und bekanntzumachen, die, auch wegen der geringen Zahl der Einwohner, immer mehr bedroht sind.

www.sauris.com