San Pietro al Natisone
Die Geschichte
Die Natisonetäler sind in der Vergangenheit eine wichtige Kreuzung von verschiedenen Völkern und Kulturen gewesen, da ihre Rolle war, die friulanische Ebene mit dem Donaubecken, und zwar Italien mit dem Herzen Europas zu verbinden.
Die ältestesten Spuren von menschlichen Siedlungen gehen auf die Vorgeschichte zurück, als die Menschen Bären und andere wilde Tiere jagten und sich in den unterschiedlichen Höhlen des Gebiets versteckten. Eine der bekanntesten ist der so genannte Riparo di Riarzo, wo während der archäologischen Ausgrabungen von 1976 unter anderem ein Zeug aus Quarz, einen Beinhaken, einige durchgelöcherte Muscheln und viele Zeuge aus Kiesel gefunden wurden.
Seit Anfang des 1. Jahrtausends v.Chr. fanden drei Ereignisse statt: die Einwanderung der Veneter, die Besatzung durch die Kelten und seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. die römische Kolonisation.
664 fand der erste Kampf zwischen den slawischen Völkern und den Langobarden in Broxas (Brossa in der Nähe von Cividale) statt. In Lauriana stießen die beiden Völker 720 mehrmals aufeinander. Danach schlossen sie Frieden und teilten das Land auf, dessen Grenze zwischen den Bergen der Natisonetäler und der friulanischen Ebene verläuft.
Zwischen 1077 und 1420 gehörten die Natisonetäler zu dem Patriarchat von Aquileia. Die einheimische Bevölkerung, die man in den vergangenen Jahren zum Christentum hatte bekehren lassen und die eine alte slowenische Sprache verwendete, errichtete Dörfer und Kirchen. Auf diese Epoche gehen die Gerichtsbanken von Antro und Merso zurück, die auch die Blutverbrechen beurteilten, während die Vicinie (Nachbarschaften) und die Versammlungen die res publica verwalteten.
Von 1420 bis 1797 gehörte die “Schiavonia”- auf diese Weise wurden die Täler genannt, weil sie von den Slowenen bewohnt waren- zu der Republik Venedig, die die alten Vorschriften und Vorteile anerkannte, sowie auch eine noch größere Autonomie. Die Schiavonia war von den Steuern befreit, aber sie musste die 5 Pässe überwachen, die in die Täler der Flüsse Isonzo und Judrio führten: Pulfero, Luico, Clabuzzaro, Clinaz und San Nicolò.
1797 unterging die Republik Venedig, und die Autonomie der Schiavonia wurde immer schwächer. Nach der Besatzung durch die Franzosen von 1805 bis 1813 änderte sich die Struktur der örtlichen Verwaltungen, indem man die Gemeinden und die neuen Gerichte errichtete. Österreich erhielt die Gebiete 1813 wieder und bestätigte das französische Verwaltungssystem. 1866 wurden die Täler dem Italienischen Reich angeschlossen, aber die alten Vorteile wurden nicht anerkannt. Trotzdem verwendeten die Leute ihre Sprache, besonders in den Kirchen.
Im Oktober 1917 waren die Täler die Zeugen eines der gewalttätigen Kämpfe der Geschichte im Gebirgsland. Die k.u.k. Armee durchbrach die Isonzofront, und die berühmte und tragische Niederlage bei Karfreit begann, als die italienischen Truppen versuchten, Widerstand in der Talenge von Stupizza und in der Nähe von der Kirche von St. Nikolaus in Jainich heldenhaft, jedoch erfolglos, zu leisten
Beim Auftreten von Mussolini wurde der Gebrauch der slowenischen Sprache in den Kirchen verboten. Nach dem Waffenstillstand vom 8. September 1943 begann die “Resistenza” gegen die deutschen Truppen auch in den Tälern.
Nach dem Kriegsende fand eine so starke Auswanderung statt, dass die Zahl der Bevölkerung in drei Jahrzehnten auf die Hälfte abnahm. 1976 wurde das Gebiet durch das entsetzliche Erdbeben erschüttert. Es gab keine Opfer, jedoch erhebliche Schäden. Zum Glück wurde das Gebiet schnell wieder errichtet, und die Dörfer sind wieder lebendig. Beim Beitreten des benachbarten Sloweniens zur Europäischen Union hat eine neue historische Epoche für die Täler begonnen.
Kulturelle Anmerkungen
- SPRACHE: In den Tälern von dem Fluss Natisone und seinen Zuflüssen wird die einheimische Mundart gesprochen. Es handelt sich um eine alte slowenische Sprache, in der die letzte Silbe vieler Wörter betont ist und die zwischen ansteigenden und absteigenden Lauten unterscheidet. In den letzten Zeiten fehlt die Einführung von neuen, modernen Termini. Trotzdem bemerkt man hier die größte Verbreitung von alten Urkunden auf Slowenisch. Ein Beispiel dafür ist die bekannte Handschrift von Castelmonte aus dem 15. Jahrhundert mit den wichtigsten Gebeten;
- MYTHOLOGIE: Ergebnisse der Volkseinbildungskraft und, vor allem, des Aberglaubens in den Tälern sind die pittoresken Figuren wie:
KRIVAPETA: weibliche Figur mit wunderbaren Kräften. Sie war einer Hexe ähnlich. Ihre Besonderheit besteht darin, dass ihre Zehenspitzen rückwärts gedreht sind; daher kommt der Name krivapeta, die gedrehte, krumme Ferse;
ŠKRAT ein kleines Wesen, das in den Wäldern wohnt;
ARPIT das Ungeheuer der Quelle, das Schafe und Schäferinnen frisst;
BALADANTI Geschöpfe, die auf die Wanderer an den Kreuzungen warteten, um ihnen Böses anzutun; - LIEDER: Die Lieder der Täler sind normalerweise mehrstimmig. Die lebhaften und unternehmungslustigen Liebeslieder der Männer sind mit dem Brauch verbunden, unter dem Fenster der Verlobten zu singen. Die Lieder der Frauen sind oft traurig und melancholisch, da sie Abschiedsgesänge für den Verlobten sind, der Wehrdienst leistet, oder Lieder, die die bitteren Folgen einer geendeten Liebe beschreiben. Andere Lieder beziehen sich auf die Berufe, den guten Wein und die lustige Gesellschaft. Dazu gibt es auch religiöse Gesänge.
- BRÄUCHE: Leider sind viele Volksbräuche verloren gegangen. Unter jenen, die noch gewöhnlich sind, erinnert man:
KOLEDE, Versöhnungsalmosen, die in den drei Heiligen Nächten (Weihnachten, Neujar, Dreikönigsfest) gesammelt werden; KARNEVAL, mit dem Gegensatz zwischen schönen und hässlichen Masken (ta liepi an ta gardi), die sich mit den Figuren des Engels und des Teufels von Roda identifizieren, in den pustjè, und zwar Karnevaldarstellungen, die zerfetzte Kostüme, kegelförmige Hüte und um den Körper hängende Kuhglocken anhaben und die in Mersino die riesige Figur des Hahnes begleiten; ARENDO, historische Erinnerung der Versammlungen der Ältesten, die die Gemeinschaften der Täler vertraten und deren Auftrag war, die res publica zu verwalten. - KUNST UND BAUKUNST: Das slowenische Siedlungshaus war das einzellige Haus oder Haus des Rauches, das aus einem einzigen Zimmer mit dem offenen Herd (ognjišče) und manchmal mit dem Ofen (peč) bestand. Später trat das so genannte “Haus der Izba” auf. Die hauptsächliche Besonderheit besteht darin, dass es zwei Zimmer in demselben Stockwerk hat: Das erste entspricht dem alten Haus des Rauches, das schwarze Küche (črna kuhinja) genannt ist, wo das offene Herd und das Feuerloch des Ofens geblieben sind, das zweite ist izba genannt, wo sich der Ofen befindet, der im Winter das Zimmer warm hält. Zum Schluss trat das Haus mit Laubengang auf, das die Zimmer in zwei Stockwerken hat: im unteren Stockwerk die Küche, die izba und die anderen Lagerzimmer, im oberen Stockwerk die Schlafzimmer, die durch äußere Treppen mit dem unteren Stockwerk verbunden sind und von dem Laubengang aus Holz aufgeteilt sind, der aus der Fassade vorsprang und durch den Vorsprung der Traufe bedeckt war. Mit den Häusern findet man die kašta, kleines Gebäude, das als Lager für die Produkte und die Lebensmittel benutzt wird, und den kozolec, Trockenraum für die Landwirtschaftsprodukte. Die meisten Gebäuden stehen die “Straße von dem kozolec” entlang aus Topolò, Seuza, Brida a Masseris. Zwischen Ende des 15. Jahrhunderts und Anfang des 16. Jarhhunderts nahm die Benecia die Baumeister aus Škofja Loka (Slowenien) auf, die die Schöpfer der zahlreichen gotischen Kirchlein gewesen sind, die in der Nähe der Dörfer und auf den Höhen errichtet wurden. In den 17. und 18. Jahrhunderten wurden viele Kirchlein mit Holzskulpturen verschönert: die berühmteste ist der goldene Altar (zlati oltar). Das riesige unter den Zivilgebäuden ist das Insitut für Grundschullehrer in S. Pietro al Natisone, im spätneuklassischen Stil, das 1926 geendet wurde.
- KÜCHE: Man kann nicht von den Tälern sprechen, ohne ihren typischen Kuchen zu nennen und zwar die gubana mit einer Füllung aus Nüssen, Pinienkernen und Branntwein. Ein weiterer typischer Kuchen sind die štrukji mit derselben Füllung der gubana, die man gekocht oder gebacken isst.